Mit passender Kleidung optimaler Schutz im kalten Winter - Bild: skeeze / pixabay.com

Die richtige Ausrüstung für kalte Wintertage und ihr Ursprung

Viele der von uns heute selbstverständlich genutzten Wintersachen, waren über lange Zeit entweder unüblich oder nur einem kleinen erlauchten Kreis vorbehalten. Manche der modernen modischen Accessoires waren ursprünglich auch gar nicht für den heute üblichen Zweck gedacht. In gewissem Maße hat die Bekleidungsindustrie hier ganze Arbeit geleistet und uns alle davon überzeugt, dass wir diese Sachen unbedingt benötigen und dass sogar ein praktischer Nutzen dahintersteckt, der den Kauf dieser Produkte rechtfertigt.

Handschuh

Das Aufkommen des Fingerhandschuhs stand nicht im Zusammenhang mit seiner Schutzfunktion, wie man heute annehmen möchte, sondern vielmehr mit seiner Funktion als Standeszeichen und seinen symbolischen Aussagen. Den Anfang machten die Pontifikalhandschuhe und die Krönungshandschuhe der Mächtigen, die reich bestickten, mit Perlen und Edelsteinen verzierten Handschuhe der Reichen. Diese kostbaren Handschuhe hätte es nie gegeben ohne die Eitelkeit und das Standesdenken der Menschen. Darüber hinaus wurde der Handschuh zum bedeutungsvollen „Stellvertreter“ der rechten Hand und als solcher zum Symbol von Macht sowie zum Rechtsmittel. Der Handschuh übernahm die Symbolsprache der Gestik und intensivierte sie durch seine auffällige Gestaltung. Nur der Fausthandschuh war Kälteschutz und Arbeitshandschuh und ist es bis heute geblieben.
Der „Schuh für die Hand“ hat wenig gemein mit der rauen, starren Hülle des Fußes. Der Handschuh ist eigentlich ein Hand-Kleid, das ausgezogen in sich zusammenfällt, platt und zusammenlegbar wird. Der Handschuh stellt, wie der Schuh, immer ein Paar dar und ist – der menschlichen Symmetrie-Auffassung und der Tradition gemäß – in Farbe und Verzierung stets gleich gestaltet. Die Herstellung des Fingerhandschuhs ist sehr kompliziert, denn er muss, wie kein anderes Bekleidungsstück, Bewegungsfreiheit, gewährleisten, nämlich jenen von zehn Fingern.
Dem Aufkommen des Fingerhandschuhs, kurz Handschuh genannt, lag die Vorstellung eines abstrakten Schutzes zugrunde. Herausragende Personen wie Könige oder Priester mussten vor der Berührung durch „Unreine“, was meist gleichbedeutend war mit niedrigen oder ungeweihten Personen, geschützt werden. Diese Forderung wurde zum Gebot, das sich weiter zum so genannten Ritus der verhüllten Hände entwickelte. In vielen Kulturen dürfen bis heute göttliche oder geweihte Wesen oder Gegenstände nur mit verhüllten Händen berührt werden. Dies dient auch umgekehrt dem Zweck, den Berührenden vor unbekannten magischen Wirkungen zu schützen. In er griechischen Antike durfte bei den Eleusinischen Mysterien das Heiligtum nur unter einem Tuch verborgen berührt werden. Im persischen Altertum schrieb das Hofzeremoniell das Tragen von Handschuhen vor, das sich in manchen Kulten weiter erhalten hat.

Muff

Der Muff scheint als bürgerliches Accessoire im 16. Jahrhundert aufgekommen zu sein. Er hat die Form einer, je nach Mode unterschiedlich großen, „Rolle“ aus Pelz oder Stoff in die die Hände gesteckt werden. Im Grunde ersetzt der Muff die Handschuhe. Es könnte sein, dass sich der Muff aus der Muffe, eine trichterförmige Erweiterung, Art Manschette, am Ärmelende von Wams und Kleid, entwickelt hatte. Ärmel-Muffe waren im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts üblich. Wenn der Träger oder die Trägerin die Hände zusammenhielt, entstand der Eindruck eines Muffs.
Eine erste Darstellung eines Muffs findet sich im 16. Jh. in einem französischen Trachtenbuch aus dem Jahr 1567. Es zeigt eine Engländerin mit einem kleinen Muff an einer langen Posament Schnur, die am Gürtel fixiert ist.
Im 17. Jh. wurde der Muff größer und aus edlen Pelzen, wie Zobel oder Hermelin, hergestellt. Er wurde zunehmend ein Standeszeichen der Oberschicht. Im Spätbarock, um 1690, fand der Muff Eingang in die vornehme Herrenkleidung. Er war an einem Gürtel fixiert. Der Muff wird auch heute regelmäßig auf Modenschauen gezeigt, konnte sich in den vergangenen Jahren nicht wieder soweit etablieren, wie in den Zeiten der 1900er Jahre. Doch die Beliebtheit steigt wieder, weil sich in einem Muff auch ein Smartphone gut unterbringen lässt und die Bedienung damit stark vereinfacht wird im Gegensatz zu Handschuhen, die kaum eine sinnvolle Nutzung eines aktuellen Smartphones zulassen.

Schal

Ein Grund, weshalb Kaschmirschals so begehrt waren und große Plaids immer wieder in Mode kommen, sind ihre gestalterischen Möglichkeiten. Die Besonderheit des Einhüllens und Umhüllens lassen Schals und Tücher in zweifacher Bedeutung in Erscheinung treten: zum einen als prächtiges und farbenfreudiges Flächenornament in vielfältiger Form- und Materialausprägung, zum anderen als plastisches Ornament durch Drapierung und Faltenwurf an der menschlichen Gestalt.
Die Vielfalt des Schals geht von seinen so unterschiedlichen Größen aus; vom großen Cape artigen Plaid bis zum schmalen Krawattenschal. Obwohl Schals meist länglich-rechteckig sind, ist die Form allein für seine Bezeichnung nicht ausschlaggebend. Auch die großen quadratischen Kaschmire von Mitte des 19. Jh. wurden als Schal oder Plaid bezeichnet. Aber der Schal ist streng genommen immer aus Wolle, abgesehen von den Kunstfasern des 20. Jh., oder er wird nach seinem Material – zum Beispiel Seidenschal – spezifiziert. Außerdem typisch sind seine Fransen – im Unterschied zum Halstuch.

Der Schal stammt vermutlich aus Zentralasien, wo er schon vor der Zeitenwende aufgekommen sein mag. Diese Annahme begründet sich darauf, dass zum einen in China seit der Wei-Dynastie lange schmale Seidenschals locker um die Kleidung drapiert oder in der Art einer Stola um die Schultern gelegt wurden, und dass zum anderen der bedeutendste Schal, der Kaschmirschal, aus Zentralasien stammt.

Das Beste an Schals ist, dass es sie in einer unfassbaren Auswahl gibt und sie sich auch perfekt mit verschiedenster Kleidung kombinieren lassen. Beliebt sind mittlerweile vor Alle Röhrenschals, weil die einfach nur über den Kopf gezogen werden und schon perfekt sitzen ohne aufwändiges binden oder knoten.

Schapka

Die Schapka ist eine Wintermütze, die interessanterweise nur in Deutschland und in englischsprachigen Regionen so genannt wird. Denn im russischen, mit dem diese winterliche Kopfbedeckung gerne in Verbindung gebracht wird, bedeutet Schapka lediglich Mütze und eine Mütze bietet bei weitem nicht so viele Funktionen wie diese meist aus Fell gefertigte „Uschanka“. Die russische Bezeichnung leitet sich vom russischen Wort für Ohren ab. Auf jeden Fall gibt es diese Mützen mit Ohren und Nackenschutz schon seit sehr langer Zeit. Bilder aus dem Spätmittelalter deuten darauf hin, dass es sich um eine übliche Kopfbedeckung im europäischen Raum, also auch in Deutschland handelte. In Russland fand die „Schapka“ im zweiten Weltkrieg große Verbreitung, weil sie ab etwa 1940 zur offiziellen Winterausrüstung gehörte. Bei der Auswahl der Materialien gab es bereits damals große Unterschiede. Sie wurden aus echten Fellen, Wolle oder Fellimitaten gefertigt. Je nach Rang und Reichtum des Besitzers. Moderne als Modeaccessoire genutzte Schapkas sind meistens aus Kunstfell gefertigt und mit verschiedenen Mustern und Farben erhältlich. Sie sind zwischenzeitlich wieder sehr beliebt und bieten auch in modernen Zeiten perfekten Schutz vor der winterlichen Kälte.