Kunststoffrodel auf dem Prüfstand von TÜV NORD in Essen. Foto: Udo Geisler. - Bild: obs/TÜV Nord GROUP/Udo Geisler

Der Härtetest für Rodel – TÜV NORD hat Schlitten geprüft

Nicht immer ist es so, dass von der Optik auf die Verarbeitung geschlossen werden kann, was gut aussieht, muss es noch lange nicht sein. Das ist zumindest das Fazit der Experten vom TÜV NORD, nachdem sie verschiedene Kunststoff-Rodel getestet haben. In der vergangenen Woche haben die Prüfingenieure insgesamt sechs verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Formen aus mehreren Preisklassen untersucht und die Qualität der Plastik-Schlitten bewertet. Es konnten nur zwei der Winterrodel alle Tests ohne Mängel überstehen.
Sobald Timo Stevermüer ans Werk geht, knallt und scheppert es in der ganzen Halle. Der Ingenieur von TÜV Nord geht mit den Prüfgegenständen nicht gerade zimperlich um: Den Kältetest führt er fünfmal nacheinander an jedem der Schlitten durch. Dazu werden die Schlitten vorher vereist und dann aus einem Meter Höhe auf den Betonboden fallen gelassen, selbstverständlich immer auf empfindlicheren Kanten. „So ein Schlitten muss robust sein. Abplatzen oder einreißen darf nichts. Schließlich soll er mehrere Jahre halten und auch bei weniger pfleglichem Umgang nicht zur Gefahr werden.“

Eisige Zeiten für Kunststoff-Schlitten

Der Kältetest ist nicht die erste Überprüfung unter Belastung, sondern der Abschluss einer abwechslungsreichen Belastungsprozedur, hier kam gar nicht jedes Gerät heil an. Vor dem ausgiebigen Sturztest der Kanten wurde schon die Belastung durch Personen mit dem doppelten des vom Hersteller angegebenen Höchstgewichts simuliert. Dazu wurde ein entsprechend schwerer Sandsack auf den Schlitten gepackt und den musste der Rodel fünf Minuten lang aushalten. Das erste Modell ging schon bei diesem Test im wahrsten Sinne des Wortes in die Grätsche. Timo Stevermüer: „Na, da währt der Spaß aber nur kurz, wenn sich beim beherzten Draufsetzen die Kufen verbiegen.“ Dieses Ergebnis war eindeutig, der Test wurde nicht bestanden und der erste Schlitten war aus dem Rennen.
Mit nur noch fünf Modellen ging es zum nächsten Test ?dynamische Festigkeit?. So ein Rodel wird schließlich über holprige Pisten gejagt. Um die rasanten Fahrten bei Eis und Schnee über Unebenheiten und Buckel zu simulieren, wird der Schlitten wieder vorbereitet. Die Plastikflitzer werden dazu in die Kältekammer gestellt und lagern dort für mindestens acht Stunden bei minus 25 Grad Celsius, denn bei Frost verliert besonders Kunststoff enorm an Elastizität. Damit die Produktprüfer nicht mit jedem Rodel über eine für alle Schlitten gleiche Piste sausen müssen, werden die tiefgekühlten Gefährte im Labor getestet. Der Tests wird mit einem Lastkran durchgeführt, mit dem ein maximal 90 Kilogramm schwerer Sandsack hoch gezogen wird. Damit die Anforderungen des TÜV erfüllt werden, muss der Schlitten das vom Hersteller angegebene Maximalgewicht aus einem halben Meter Höhe abfangen, ohne zu zerbrechen. Gleich zwei der Testmodelle werden bei dieser Prüfung zerrissen. Stevermüer: „Bei einem Modell hat sich ein langer Riss an der Sitzfläche gebildet. Der macht den Schlitten instabil, außerdem kann man sich an dem Riss die Finger quetschen oder schneiden. Das andere Modell hat sich beim Test so verformt, dass es sich nicht mehr gut rodeln lässt.“ Das gibt Abzüge in der Bewertung.

Unbekannter Absender

Neben der Festigkeit, geben auch andere Auffälligkeiten einen guten Aufschluss über die Qualität der Schlitten. Aus genau diesem Grund fließt auch die Untersuchung auf scharfe Kanten und sogar die Reißfestigkeit des Zugseils in die Bewertung durch den TÜV Nord ein. Die über das Internet bestellten Kunststoff-Rodel haben nur in wenigen Fällen Angaben zum Hersteller, zur Montage oder eine Gebrauchsanleitung mitgeliefert bekommen. „Wenn dem Käufer nicht mitgeteilt wird, dass der Schlitten nur 50 Kilo aushält, hat ein junger Erwachsener vermutlich nur kurz Freude an dem Gerät“, so Stevermüer.

Preise und Prüfzeichen

Nach der Durchführung aller Tests steht klar fest: Nur zwei der sechs Schlitten sind top. Der Rolly Toys Snow Champions für etwa 45 Euro sowie der Snow Star de Luxe von KHW für rund 30 Euro. Alle anderen getesteten Plastik-Rodel sind nur eingeschränkt zu empfehlen. Der Prüfingenieur von TÜV NORD rät, die Finger von den sehr billigen Schlitten zu lassen: „Wer nur zehn Euro ausgibt, kann keine Qualität erwarten. Das hat unser Test gezeigt.“
Der Experte rät, auf Prüfzeichen zu achten. „Man sieht dem Schlitten seine Qualität nicht immer sofort an. Deshalb ist es gut zu wissen, dass ein Modell von einem unabhängigen Prüfinstitut unter die Lupe genommen wurde“, so Stevermüer. Optimal ist nach Aussage des Prüfers ein „GS-Zeichen“. Es steht für Geprüfte Sicherheit und zeigt, dass der Schlitten die Anforderungen des Produktsicherheitsgesetzes erfüllt.
Gesetzlich vorgeschrieben und unbedingt vorhanden sein sollte eine CE-Kennzeichnung. Mit diesem Zeichen bescheinigt der Hersteller, dass der Schlitten die Mindestanforderungen an die Sicherheit von Spielgeräten erfüllt – so wie die EU-Richtlinien dies erfordern. „Wenn weder auf dem Schlitten noch auf der Verpackung das CE-Zeichen zu finden sind, sollte man das Gerät nicht kaufen“, so das Fazit von Timo Stevermüer.